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Geigenbau: Beruf und Berufung

18. February 2010 von Hagen Kohn · 3 Kommentare · Job/ Ausbildung

Das erste, womit das Musikerportal VioWorld vor zehn Jahren bekannt wurde, war sein Instrumentenmarkt. Dieser ist auch heute noch einer der zentralen Bereiche, vor allem im Bereich der Streichinstrumente. Höchste Zeit also, um einen den anspruchsvollsten und vielseitigsten Berufe vorzustellen – den des Geigenbauers. Jens Peter Schade aus Halle (Saale) stand uns Rede und Antwort:schade

Wann stand für Sie fest, dass Sie Geigenbauer werden?

Relativ zeitig. Mein Vater, Joachim Schade,  führte seit 1958 eine traditionsbehaftete Geigenbauwerkstatt in Halle (Saale) und lebte meinem Bruder Sebastian und mir diesen Beruf vor. Einer meiner ersten “ Spielplätze “ war quasi unter der Werkbank. Von daher wurde mein Interesse für Streichinstrumente früh geweckt. Gleich nach meinem Schulabschluss machte ich eine Ausbildung in diesem Betrieb und übernahm schließlich 1984 das Atelier.

Aus welchen Gründen haben Sie damals den Beruf ergriffen und was lieben Sie heute besonders an Ihrer Arbeit?

Ich denke, dass mich das Arbeiten mit Holz als Werkstoff schon zeitig begeistert hatte. Die Verbindung aus manueller Tätigkeit und dem Faszinosum Musikinstrument ist für mich ein sehr spannendes Feld, zumal der Umgang und die Zusammenarbeit mit Musikern  meine Berufung  jeden Tag aufs Neue bereichern.
Welche Voraussetzungen  muss man mitbringen um Geigenbauer zu werden?

Da das Berufsbild Geigenbau eine ausgeprägte künstlerische Komponente hat, sind gewisse Eigenschaften, wie Musikalität und Fähigkeiten im Bereich der bildenden Kunst nicht von Nachteil. Handwerkliches Geschick ist wohl auch ganz wesentlich. Zu jedem Instrument gehört meistens auch ein Mensch, daher ist der sensible Umgang mit den Wünschen und Vorstellungen der Kundschaft ebenfalls ein wichtiger Teil dieses Berufes.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Instrument restaurieren?

Behutsam! Schließlich ist jedes Instrument anders und bedarf einer individuellen Aufmerksamkeit. Dabei haben Bewahrung und Schutz des Originals oberste Priorität, ganz im restauratorischen Sinne.Hintergrund_ Kopie

Wie sieht Ihre Klangvorstellung aus,  wenn Sie ein Instrument restaurieren?

Ich möchte  jedes Instrument als individuelles System verstehen und versuche, im Rahmen der Gegebenheiten die einzelnen Komponenten zu optimieren. Meine Klangvorstellung sollte dem entsprechen was wir alle hören wollen und im allgemeinen als Wohlklang empfinden. Ich mag sehr gern ein breites Frequenzband, vom sonoren V8 grummeln in der Tiefe bis zum silbrig schimmernden Gesang im Diskant. Nicht vordergründig Lautstärke, sondern die Tragfähigkeit des Tones ist mir wichtig.

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