Spätestens seit dem 24. September besteht Hoffnung, dass auch die Kulturbranche das Thema “Social Media” für sich entdeckt. Ein Indiz hierfür ist, dass unter den Referenten der stART.09 neben Vordenkern und Experten auch einige Kultureinrichtungen waren, die einem neugierigen Publikum von ihren Blog- und Twitter-Erfahrungen berichteten. Natürlich war die Konferenz auch für uns ein Pflichttermin. Im Anschluss baten wir Karin Janner, Mit-Initiatorin und Organisatorin, um ein kurzes Fazit:
• Liebe Frau Janner, wenn Sie Ihre Eindrücke von der ersten stART-Konferenz in einer Schlagzeile bündeln müssten, wie würde diese Lauten?
stARTschuss für einen gemeinsamen Weg: Kulturszene und Web 2.0-Szene kommen ins Gespräch
• Wie groß war das Interesse von Seiten der Kulturinstitutionen? Haben Sie den Eindruck, dass hier ein Umdenken stattfindet?
Das Interesse war sehr groß. Dazu muss ich sagen, dass die Konferenz nicht aus dem Nichts entstanden ist. Wir Organisatoren zeigen schon seit bald 2 Jahren in unseren Blogs, diversen Social Networks und auch auf Veranstaltungen die Möglichkeiten des Web 2.0 im Kulturbereich auf. Beispiele hatten wir bis vor wenigen Monaten fast nur aus dem englischsprachigen Raum. Vor einem Jahr kam unser eigenes Best Practice Beispiel dazu, das Blog der Duisburger Philharmoniker. Dass ein renommiertes Orchester sich an das Thema Web 2.0 wagt, hat schon einmal einen ersten Ruck durch die Kulturszene verursacht. Einschlägige Medien waren an Erfahrungsberichten interessiert und Frank Tentler, der das Projekt leitet, wurde auf zahlreiche Veranstaltungen eingeladen, um das Projekt vorzustellen und erste messbare Ergebnisse bekannt zu geben.
Ab Februar gab es dann unsere Konferenzwebsite und Blog, über die wir die Idee zur Konferenz kommuniziert haben. Der Call for Paper, der bis Ende März lief, zeigte uns, dass wir mit einer Konferenz zum Thema Web 2.0 für den Kulturbereich den richtigen Zeitpunkt getroffen hatten: Viele hatten offenbar schon darauf gewartet – wir hatten so viele Angebote für interessante Vorträge, dass wir gar nicht alle unterbringen konnten.
Kultureinrichtungen, die erste Schritte ins Web 2.0 wagten, wurden durch das Echo, das Ihnen – nicht zuletzt durch unsere Kommunikation – im Web zuteil wurde, in ihrem Entschluss bestärkt. Die meisten dieser Vorreiter konnten wir dafür gewinnen, ihre Projekte gleich auf der stART.09 zu präsentieren, so konnten wir die Erfahrungen bündeln.
Um zur Frage zurück zu kommen: Ja, ich denke, dass ein Umdenken stattfindet. Web 2.0 wird nicht mehr nur als Spielzeug der Freaks gesehen, sondern als echte Chance für Marketing, PR, Fundraising und Kulturvermittlung. Dazu hat sicher die stARTconference ein gutes Stück beigetragen.
• Die diesjährige Konferenz war sehr gut besucht. Rechnen Sie nächstes Jahr noch mit Zuwachs?
Wir hatten uns dieses Jahr das Ziel von 500 Teilnehmern gesteckt und erreicht. Da nächstes Jahr Essen Kulturhauptstadt ist, wird der Region sicher viel Aufmerksamkeit zuteil. Wir werden uns voraussichtlich für 750 Teilnehmer öffnen. Eine noch größere Teilnehmerzahl streben wir nicht an, denn ab einer gewissen Größe ändert sich der Charakter einer Veranstaltung, und von der familiären Atmosphäre, die von den Teilnehmern der stART.09 sehr gelobt wurde, wäre dann nichts mehr zu spüren.
• Wann sind Blog und Twitter im Kulturbereich so selbstverständlich wie heute die Email?
In manchen Kulturbetrieben ist das heute schon so, in anderen werden Emails ausgedruckt dem Intendanten oder Direktor vorgelegt, da dieser der elektronischen Kommunikation gar nichts abgewinnen kann. Die Kluft ist hier groß, darum lässt sich schwer sagen, wann „der Kulturbereich“ Blogs und Twitter selbstverständlich nutzen wird.
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