Mitten im Sommerloch rief VioWorld zu einer ersten Blogparade auf. Unter dem Motto “Net Powered Artists” sollte der Frage nachgegangen werden, welche neuen Vermarktungsmöglichkeiten sich Künstlern im Internet bieten, bzw. ob es überhaupt tragfähige Konzepte gibt. Höchste Zeit also für ein Fazit.
Wir selbst haben zwei positive Beispiele aus dem Pop-Bereich genannt.
Weitaus größer [als der Hector Fund] ist das Portal SellaBand, das ebenfalls nach dem Prinzip der Vorfinanzierung funktioniert. In $10-Schritten kann man sich hier über Spenden der sogenannten “Believer” dem Traum von der eigenen Platte nähern. Voraussetzung ist natürlich eine gute Präsentation inklusive Hörbeispielen, die die Community überzeugt. Die spannende Frage bleibt, in wieweit sich solche Konzepte auf andere künstlerischen Bereiche übertragen lassen.
Christian Henner-Fehr befasste sich im Kulturmanagement Blog mit der Frage, in wieweit sich bildende Kunst und Fotografie über das Internet verkaufen lässt.
Ich denke, wir sollten uns von der Vorstellung verabschieden, Kunst über das Internet zu verkaufen. Kunst als sinnliches Erlebnis kann mir das Internet nicht vermitteln. Das wird am Bild, das Tilla Pe online anbietet, recht deutlich. Das Bild kann einem zwar gefallen, aber was verbindet man damit? Ich tue mich da schwer. Und wenn ich dann noch frei bin in der Entscheidung, den Preis zu bestimmen, dann fühle ich mich eher überfordert.
Kulturblogger Christian Holst befasst sich mit dem Begriff der “Mitmach-Avantgarde” und weist darauf hin, dass durch die Möglichkeiten der Vervielfältigung aus bislang knappen (Kunst-)Gütern beliebig verfügbare Güter werden. Entsprechend negativ schätzt er deren Vermarktungsmöglichkeiten ein.
Die Refinanzierung der künstlerischen Arbeit, die immer inhaltlicher Natur ist, muss also über etwas erfolgen, das sich nicht kopieren lässt. Nicht eben einfach und wahrscheinlich auch nicht sehr lukrativ. Kunst war bislang die Sache von verschrobenen Einzelgängern und die großen Kunstwerke der abendländischen Kulturgeschichte sind allesamt geniale Einzelleistungen. Gute Kunst wurde auf diese Weise zu einem knappen Gut, mit der immerhin einige wenige gut Geld machen konnten.
Ulrike Schmid, die u.a. für die Kronberg-Academy bloggt, also regelmäßig mit jungen Profi-Musikern zu tun hat, sieht in Social Media Aktivitäten einen nützlichen Multiplikator, der es dem Künstler ermöglicht, Aufmerksamkeit, sprich Publikum zu generieren.
Ich finde gar nicht, dass die neuen Kommunikationsformen für die Künstler zur Brotlosigkeit verdammt sein müssen. Die Frage ist nur, was sie damit erreichen wollen. Der Vorteil für die Künstler liegt in erster Linie darin, Aufmerksamkeit zu generieren. Dass sich erhöhte Aufmerksamkeit langfristig gesehen auch in bare Münze auszahlt, davon bin ich überzeugt. Ich denke nicht, dass Künstler durch ihre Social-Media-Aktivitäten ihre Kunst verkaufen können, sondern dass der Dialog mit den “Onlinern” dazu führt, dass ihre Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführung etc. besucht werden.
Dass es keine Patentrezepte gibt und Erfolge in der digitalen Künstler-Vermarktung noch äußerst sporadisch sind, macht Doro Martin vom Verlagsstarter Blog deutlich.
Andrew Keen [Spex], der noch vor zwei Jahren schrieb, dass die ganzen Amateure im Internet die Kunst ruinieren würden, ist nun der Meinung, dass es mittlerweile zu den Aufgaben eines Künstlers gehört, für sich Werbung zu machen (er rät zum Twittern und verlinkt gleich mal auf seinen Account – soviel zum Thema Werbung). Gerade für Musiker trifft das voll und ganz zu, für Autoren nicht zwangsläufig. Neil Gaiman war mit kostenlosem Content im Netz sehr erfolgreich (die Verkaufszahlen von Amercian Gods schnellten in die Höhe, nachdem alles zuvor schon online lesbar war), während Stephen King daran scheiterte, einen exklusiven eigenen Vertriebskanal im Netz aufzubauen.
Vielen Dank an alle für die spannenden Beiträge! Ich hoffe, dass dieses Thema in den einschlägigen Blogs weiter diskutiert wird, schließlich ist das Web 2.0 ja ein Work-in-Progress und die weitere Entwicklung offen. Man darf gespannt sein.
Noch keine verwandten Beiträge.















Am Thema Vermarktung sollten wir in der Tat dran bleiben, denn wahrscheinlich treibt es viele Kulturbetriebe auf ihrem Weg ins Web 2.0 an.
Bis jetzt gibt es zwar einige schöne Beispiele, aber das grundlegende Muster bzw. die Erfolgsfaktoren sind noch nicht wirklich herausgearbeitet.
Eigentlich ist das ein gutes Thema für die stART.10
Ich denke auch, dass noch ein wenig die Erfahrungswerte fehlen. Mir erzählte neulich eine Kollegin aus dem Kultur-Marketing, dass sie jetzt “nebenbei” auch bloggen soll. Es spricht sich also langsam rum, dass Web 2.0 für Kultureinrichtungen wichtig ist, aber das Verständnis für eine sinnvolle Nutzung fehlt in den meisten Fällen. Das wird sicher ein wichtiges Thema auf der stART.10 sein.