Förderland hat gestern einen Artikel zum Jobbörsen Rating (aus Sicht der Arbeitgeber) veröffentlicht. Durchgeführt von der Hamburger Rating Agentur Profilo, wurden dabei über 1000 Online Stellenmärkte beurteilt mit einem erschreckenden Ergebnis: VioWorld war nicht unter den Ausgezeichneten. Spaß beiseite, bewertet wurden die großen, branchenübergreifenden Anbieter, bei denen Jobware, Kalaydo und FazJob am besten abschnitten.
Jetzt aber zum wirklich Erschreckenden an dieser Studie: die Branche Kunst/Kultur gibt es einfach nicht. Weder in der Anlage der Studie, noch bei einigen der Top Stellenbörsen.
Stellenwert der Kulturbranche am Arbeitsmarkt
Und nachdem das BMWi gerade eine Studie (hier zum Download inkl. weiterer interessanter Links) über die Wichtigkeit der Kreativwirtschaft rausgebracht hat, verwundert das dann doch. In der Pressemitteilung zur Veröffentlichung wird Dagmar G. Wöhrl, die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie folgendermaßen zitiert:
“‘Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat gegen den allgemeinen Trend im Jahr 2008 positive Wachstumszahlen geschrieben. Mit einem Beitrag zur Bruttowertschöpfung in Höhe von 63 Milliarden Euro und 1 Mio. Erwerbstätigen gehört sie auch im Branchenvergleich zu den Schwergewichten unserer Volkswirtschaft. Die Dynamik geht insbesondere auf das Konto der kleinen Unternehmen’.”
Der positive Schluss, der aus knapp 1 Mio. Beschäftigten in der Kulturbranche gezogen wird, liest sich erstmal gut:
“Dieses Potenzial für Arbeitsplätze müssen wir unbedingt weiter stärken. Auch die kreativen Kleinunternehmen brauchen einen noch besseren Zugang zu den klassischen Fördermaßnahmen für den Mittelstand. Diese wichtige Empfehlung der Studie wird die Bundesregierung aufgreifen.” (wieder Dagmar Wöhrl)
Im Juni sollen die ersten Ergebnisse vorliegen, wie man die Kreativindustrie vielleicht besser fördern kann – man darf gespannt sein.
Stellenbörsen Kultur Stellenmarkt
Wie kommt es nun aber, dass diese Kreativwirtschaft bei den Online Stellenmärkten so gänzlich unterzugehen scheint? Sicher, einige der Jobs mögen in andere Kategorien integriert sein, andere Stellen dringen vielleicht gar nicht an die Öffentlichkeit und werden nur durch Mund zu Mund Propaganda besetzt. Vielleicht gibt es aber auch einfach nicht genug Stellen? Oder liegt es einfach nur daran, dass hier aus Sicht der Arbeitgeber gefragt wurde?
Hier nochmal einige Zahlen der BMWi Studie, zitiert nach der bereits erwähnten Pressemitteilung:
“Im Vergleich zu den wichtigsten deutschen Wirtschaftsbranchen liegt die Kultur- und Kreativwirtschaft mit einem Wertschöpfungsanteil von 2,6 % am Bruttoinlandsprodukt ungefähr zwischen der Chemischen Industrie (2,1 %) und der Automobilindustrie (3,1 %). Der Umsatz ist auf 132 Milliarden Euro, die Zahl der Selbständigen und Unternehmen um 4,3% gestiegen. Insgesamt sind in diesem Bereich 238.000 Unternehmen und 1 Mio. Erwerbstätige, davon 763.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig.”
Die steigende Zahl der Selbstständigen könnte wirklich für “es gibt zu wenig Jobs” sprechen – anstatt arbeitslos zu bleiben, macht man sein eigenes Unternehmen auf. Für alle anderen gilt: nicht frustrieren lassen, lieber in die Nischenmärkte gucken.
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